Archive für Juli 2007

Walk the Line

13.7.07, Freitag der 13.
Ladies and Gentlemen, hier ist er, der einzig wahre - the one and only! Please welcome: The Man in Black - Steffi!!

Diesmal nicht Johnny Cash oder die Blues Brothers …

Man in Black

Kleider machen Leute. Frisch rasiert und im schicken Anzug sieht er aus wie Anfang 30 und könnte er in gewissen Etablissements in Frankfurt richtig Kohle machen. Für alle, die ein Poster wollen: ich hab noch die RAW-Daten von der Kamera.

Stephan hat das erste Vorstellungsgespräch seit 20 Jahren unfallfrei hinter sich gebracht. Ich habe natürlich gleich gefragt: Wie wars? Die - wie immer - sehr ausführliche und unglaubliuch informative Antwort: gut.

Ich hab natürlich nicht locker gelassen. Statt der angekündigten Viertelstunde (Vor-Vorstellungsgespräch!) ging es fast eine Stunde. Ein gutes Zeichen. Stephan meint, es sei sehr schwer zu beurteilen, aber er habe ein gutes Gefühl. Ich bin mit “guten Gefühlen” sehr vorsichtig geworden, da ich ja auch bei meiner Bewerbung beim Ministerium letzte Woche mit Schwung und gutem Gefühl auf die Nase gefallen bin. Von der Recruiterin haben wir erfahren, dass sich morgens noch ein anderer Kandidat für die Stelle beworben hat. Der war aber bestimmt nicht so schön. Also: warten wirs ab.

Einige weitere Termine sind auch noch reingekommen, nächste Woche (Montag und Dienstag) 4 Termine für uns beide. Ihr seht also, es geht weiter - und wir lernen ja auch immer dazu. Wahrscheinlich kann ich, wenn alles vorbei ist, ein Handbuch über das richtige Bewerben in Neuseeland schreiben.

Jenny hatte heute den letzten Tag ihres Ferienprogramms und war auch wieder sehr zufrieden. Montag geht es wieder in die Schule.

Anekdote am Rande: viele Kiwis feiern demnächst Weihnachten. Erstens ist es Winter und zweites kann man dann im Dezember nochmal feiern. Sie sind schon praktisch veranlagt, kann man nicht anders sagen.

Holger

12.7.07, Donnerstag. Die heutige Überschrift lautet “Holger”. Er meinte ja per Kommentar: es wird sich was tun. Das ist richtig. Stephan hat ein weiteres Vorstellungsgespräch - Montag! Also, liebe Gemeinde: jetzt werden für den Meister die Daumen gedrückt. Den meisterlichen Anzug hoffe ich, euch morgen präsentieren zu können … (wahrscheinlich setze ich die bis dahin recht stabile Ehe aufs Spiel - aber für euch werden weder Kosten noch Mühen gescheut …).

Wir haben natürlich weitere Bewerbungen rausgehauen: ich habe meine leicht umgestellt, so nach dem Motto “kann lesen, bin bereit, schreiben zu lernen”. Damit das auch nicht schiefgeht, habe ich die Sache als Tabelle - schön übersichtlich - angeordnet. Das nimmt die ganze erste Seite ein, ab der 2. Seite liest sowieso keiner mehr. Irgendwann mach ich mir den Spass und schreib da eine Anekdote aus meiner bewegten Jugend rein. Das merkt garantiert kein Mensch.

Jenny hat ihren HEHA-Day überstanden, das mit dem gesunden Essen war wohl der theoretische Teil. De facto gab es Schokoladenkuchen und Toffee Apple (kandierter Apfel … bäh). Als Alibi lagen noch ein paar Orangen rum, als ich unseren Mini-Kiwi abgeholt habe. Morgen werden Marionetten gebastelt und - echtes Highlight: die lieben Kleinen dürfen Fechten lernen. Vielleicht wird sie ja Piratin der Karibik - wie man anderen (z. B. Eltern) das Geld aus der Tasche zieht, weiss sie ja schon. (Kohle her, sonst laber ich euch tot!)

Ein Kampf

10.7.07, Dienstag. Wir kämpfen an allen Fronten, loten alle Möglichkeiten aus, damit es endlich was wird mit den Jobs. Nachdem wir Stephan jetzt auch auf dem Markt haben, wird am Lebenslauf gestrickt und umgestrickt … es muss ja immer individuell passen. Wir telefonieren, durchsuchen die Datenbanken usw.. Es kostet immer jede Menge Zeit, auf die ausgeschriebene Stelle den passenden Lebenslauf zu basteln.

Nach dem Kartfahren ist Jenny voll drauf, will jetzt doch Rennfahrerin werden.

11.7.07, Mittwoch. Auch heute wieder: Jobsuche - volles Rohr. Mir schwant schon Übles. Wenn bei diesen ganzen Bewerbungen dann der Rücklauf einsetzt, mit Vor-Gesprächs- und Vorstellungsterminen, rennen wir nur noch kreuz und quer durch Wellington. Wenn’s was hilft, soll es uns recht sein.

Ich bewerbe mich - da ja überqualifiziert - verstärkt auf die “teuren” Stellenangebote. Da sind wir doch mal gespannt, oder?
Was sehr ärgerlich ist: unser Medical läuft aus. Dieser Check ist nur 3 Monate gueltig, dann darf man wieder von vorne anfangen (und löhnen) :-(.

Jenny hatte heute Mexican Day und kommt mit (selbst gebastelten) Sombrero und Poncho nach Hause. Morgen ist HEHA-Day. Mal sehen, wie das ankommt. HEHA bedeutet nämlich: Healthy Eating - Healthy Activity (gesundes Essen und gesunde Bewegung) …

Regen und Palmen

9.7.07, Montag. Wochenende ist vorbei, das schöne Wetter auch. Also raffen wir uns auf, Bewerbungen auf den Weg zu bringen. Ein Anruf vom Recruiter: Stephan hat am Freitag ein Vorstellungsgespräch! Spätestens da muss der Anzug ran. Ich kassiere eine Absage von der Telecom - wieder überqualifiziert. Da die Ausschreibungen auch so überaus aussagekräftig sind, kann man nie so genau wissen, für was man sich da so bewirbt …

Jenny geht morgen Go-Kart fahren und wissenschaftliche Phänomene entdecken. Da bin ich mal sehr gespannt, was sie erzählt. Heute war sie ziemlich platt - aber zufrieden. Das Klettern und der Museumsbesuch waren ein voller Erfolg.

Manchmal ist es schon schwer, Geduld zu haben und den Mut nicht zu verlieren. Aber wir geben nicht auf, irgendwann passt es.

Sonne und Palmen

8.7.07, Sonntag. Eigentlich ist ja Winter, aber … . Gestern war es ja schon super. Heute ist das Wetter grandios. Nachdem es nachts knackig kalt war - kein Frost aber kurz davor - sind es heute in der Sonne fast 23º Grad. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet. Erfreut sitzen wir im T-Shirt auf unserem Deck, schauen auf Lagune, Südinsel (schneebedeckte Gipfel) und Meer und trinken in der Sonne Kaffee. Gegen später folgt eine kurze Putzaktion, auch das macht bei schönem Wetter mehr Spass … .

Leider macht sich die Sonne an den derzeit kurzen Tagen schon bals wieder auf den Weg in Meer, dann wird es schnell kühl. Das treibt uns mit Jenny ins Kino (Die Fantastischen Vier, Silver Surfer). Nettes Filmchen, Popcornkino. Die CGI war wieder mal bis auf ein paar kleine Schwächen genial (hätte von mir sein können). Jetzt gibt es noch was Leckeres zu Essen, dann wenden wir uns mental schon wieder der neuen Woche mit dem leidigen Jobrennen zu.

Auf Jennys Ferienprogramm steht morgen Rock Climbing (Steilwandklettern) und eine Schatzsuche im berühmten TE PAPA Museum in Wellington. Von wegen hier gibts keine Kultur!

Besuch im Knast

7.7.07, Samstag. Nach einem langsamen und gemütlichen Tagesbeginn - Stress hatten wir ja reichlich, diese Woche - machen wir uns auf den Weg zu unserem Kätzchen. Heute herrscht strahlender Sonnenschein (Kaiserwetter), aber es ist kalt, da der Wind aus Süden kommt. Bei schönem Wetter macht die Fahrt entlang der Kapiti Coast diesmal noch mehr Spass. Leider wird an vielen Stellen der Strasse gebaut und repariert, daher ist es mit Anhalten und Bilder machen schlecht. Na ja, wir werden ja noch ein paar Mal fahren.

Unser Knastologe freut sich sichtlich, als wir ankommen. Bienchen kommt aus ihrer Kratzbaumhöhle, sie spielt und schmust mit uns! Sie erscheint uns auch nicht mehr ganz so dünn wie beim ersten Besuch. Wir haben natürlich Leckerchen mitgebracht, die die Pflegerin zufüttern wird. Die Tierärzte vom Ministerium waren sehr zufrieden, im Wochen-Report stand: very healty + excellent teeth. Anti-Floh und -Zeckenbehandlung war auch schon. Ist also kein reiner Sanatoriumsaufenthalt… .

Bilder haben wir diesmal gemacht - voilá:

Hier die Quarantäne-Station, der Mann mit den Gummistiefeln ist John, der Eigentümer:
Bienchen

Das erste Zimmer, der Innenraum. Man beachten die schicken Überschuhe …
Bienchen

Sieht doch schon ganz gut aus:
Bienchen

Viel Katze ist es ja nicht …
Bienchen

Ein Blick aus dem 2. Zimmer, dem Aussenbereich:
Bienchen

Sehr geräumig, mit Besucherstühlen!
Bienchen

Wir haben leckeres Feuchtfutter mitgebracht:
Bienchen

Nochmal Luxus-Knast von aussen:
Bienchen

Schicksal

6.7.07, Freitag. Das Treffen mit Pat gestern kann kein Zufall gewesen sein, war bestimmt Schicksal. Ich habe ihm heute morgen Stephans Lebenslauf geschickt, prompt klingelte eine Stunde später das Telefon - Personalabteilung Telecom Wellington - mit der Aussage, dass es 2 Jobs hier in Wellington gibt, die für Stephans Qualifikationen passen. Nächste Woche werden Termine vereinbart. Ich habe mich auch nochmal mit der Telecom befasst und mich für 3 Stellen beworben. Die Info habe ich auch an Pat weiter gegeben, mal sehen, ob sich da was tut. Er muss den Schläfern ordentlich Zunder gegeben haben, somst hätten wir nie im Leben eine so schnelle Reaktion - auch noch persönlich am Telefon! - bekommen … .

Falls das alles nichts hilft, streiche ich meinen Lebenslauf zusammen und sag, dass ich lesen und schreiben kann. So wursteln wir vor uns hin, man darf einfach den Mut nicht verlieren und weiter nach vorne schauen. Auch mit diesem Unsinn werden wir irgendwie klarkommen. Jetzt erst recht.

Morgen besuchen wir unseren Knastologen (Bienchen), mal sehen, ob sie sich vom Stress der letzten Zeit etwas erholt hat. Letztes Mal war sie ja noch sehr schüchtern, wir hoffen, dass sie jetzt wieder spielt.

Nach dem Federballspielen hat Jenny heute ihrer Feriengruppe das Wort GÜRTELTASCHE beigebracht. Es hätte auch schlimmer kommen können.

Also Leute, schliesst uns in euer Nachtgebet mit ein, auf dass uns die Zockergötter endlich jobmäßig Erfolg gewähren!!!!

Menno

5.7.07, Donnerstag. Manchmal kann es ganz schnell gehen. Heute morgen habe ich meinen Test gemacht - und ein “sehr gutes” Ergebnis hingelegt. Genauere Aussage hab ich noch nicht, aber es waren auch keine schweren Aufgaben. Heute Nachmittag habe ich schon die Absage: rettungslos überqualifiziert. Man möchte mir eine solche Tätigkeit nicht anbieten. Als ob ich mich als Putzfrau beworben hätte. Ich hatte mich als Business Analyst beworben, eine respektable Position im IT Projektmanagement, die auch einigermassen bezahlt wird.

Trotzdem gab es heute auch Gutes: wir haben für Stephan einen Anzug aufgetrieben und Pat, unseren Kumpel von der Telecom/Gen-I, in Wellington auf der Strasse getroffen. Er arbeitet ja in Auckland, ist hier auf Geschäftsreise und ist vor einem Herrenausstatter über uns gestolpert. Er war sehr erstaunt und verärgert, als wir ihm erzählt haben, dass unsere Bewerbungen bei Telecom/Gen-I (mit einer einzigen Ausnahme) nicht mal beantwortet worden waren. Vielleicht tut sich ja an der Front mal was. Ein Vorstellungsgespräch hatte ich ja auch noch, das lief eigentlich ganz gut, mal sehen.

Jenny war mit ihrem Kinotag hochzufrieden, morgen gibt es Federball, mit Turnier natürlich.

Daumen …

4.7.07, Mittwoch. Ich habe natürlich noch keine Rückmeldung … aber ich glaube, euer Daumendrücken hat geholfen. Ich habe beim Vorstellungsgespräch mein Bestes gegeben und habe ein ganz gutes Gefühl. Ein “Formal Interview” ist hier wirklich nicht ohne - hinterher hat man das Gefühl, ein Stündchen Steine geklopft zu haben. Volle Konzentration und ja nix Falsches sagen. Bei diesen Sachen sind einfach grosse Unterschiede zwischen den Kulturen zu erkennen: es wird erwartet, dass man locker ist und den ein oder anderen Witz macht, denn Humor wird ganz gross geschrieben und gilt als Zeichen von Kreativität. Steht auch oft explizit bei den Stellenbeschreibungen dabei (z. B. Business Analyst with fun attitude). Stell ich mir grade in Deutschland vor. HA HA.
Morgen muss ich noch den ominösen Test machen, dann sehen wir weiter. Für den nächsten Job dann nachmittags das nächste “Informal Interview”.

Unsere Pässe haben wir auch wieder - jeder mit einem schönen blauen Aufkleber, der besagt, dass wir bis zum 31.12.07 dableiben dürfen. Ich hoffe natürlich, dass wir bis dahin über die Jobsuche und die damit verbunden Verrenkungen lachen können … .

Unser Mini-Kiwi hatte heute auch wieder viel Spass, aber morgen kommt der Höhepunkt der Woche: Donnerstag ist Kinotag. Da dürfen sich die lieben Kleinen mit “Shrek III” amüsieren. Es ist wirklich erstaunlich, was den Kindern hier geboten wird. Es sind auch verschiedene Programme für verschiedene Altersgruppen, so dass für artgerechte Haltung gesorgt ist. Jenny hat heute nochmal bekräftigt, dass sie auf jeden Fall dableibt.

Aktivitäten

3.7.07, Dienstag. Heute waren WIR in Wellington bei meinen Lieblingsrecruitern. Die Betonung liegt auf WIR, weil Stephan jetzt auch ran muss. Für die Dauer-Aufenthaltserlaubnis bringt es nix, aber vielleicht kommt ja etwas Geld rein und Langeweile raus. Die Mädels waren hoch erfreut, denn Fachkräfte sind Mangelware (kein Wunder bei den Einstellungsriten). Da sind wir mal gespannt. Zum Vorstellen braucht Stephan allerdings einen Anzug, das ist hier so üblich. Mir graut schon davor, mit diesem Mann einen Anzug zu suchen (er hat sich ja 41 Jahre erfolgreich drum gedrückt).

Ich habe bei der Gelegenheit noch ein bisschen “Neuseeland-Vorstellungsgespräch” mit Justine geübt. Sie war sehr zufrieden mit mir und ich denke, ich bin für morgen vorbereitet. Sie hat gemeint, ich könnte alle anschleppen, die IT-mässig was drauf haben. Da habe ich natürlich an Stefan und meine nagelneuen Fachinformatiker gedacht (poliert euer Englisch und macht MS-Prüfungen!!). Ich bin gespannt auf morgen und hoffe, eure Daumen sind in Position …

Jenny war heute völlig begeistert vom Laser-Tag. Das werden wir uns auch mal gönnen, da werden die Erinnerungen an die gute alte DOOM-Zeit wach. Für alle Zivilisten: DOOM ist die Mutter aller Ego-Shooter, natürlich auf dem Index, keine FSK Freigabe, ganz böse Sache, moralisch verwerflich, gesellschaftspolitisch völlig inakzeptabel und macht einen Heidenspass. (Am Rande: Laser-Tag ist natürlich in Deutschland seit den 80gern verboten, man spielt es aber in den Nachbarländern - z. B. Frankreich, Schweiz und Österreich).

Morgen werden die Kiddies zum Inline-Skaten nach Upper Hutt (auch ein Vorort von Wellington) fahren und nachmittags gehts zur Driving Range, da wird das Golfen geübt. Das Golf spielen ist hier kein Elite-Sport, es ist irgendwie wie Rugby - es gehört zum Kiwi-Lifestyle dazu. Golfplätze gibt es hier wirklich überall und das Green Fee kostet meistens symbolisch zwischen 1 und 10 NZ Dollar. (Green Fee - jährlicher Mitgliedsbeitrag) Die Ausrüstung kann man im Supermarkt um die Ecke kaufen, manchmal findet man Sonderangebote für 199 Dollar. Es geht auch teurer - in Spezialgeschäften bekommt man natürlich die Variante mit den vergoldeten Bommeln. Ein preiswerter Massensport in Neuseeland.

Wahrscheinlich sind jetzt alle deutschen Golfer, die das hier gelesen haben, kollektiv vom Blitz getroffen worden. Für alle Nicht-Eingeweihten: Das Green Fee in Deutschland beginnt so bei den popligen Golfklubs bei runden 10.000 Euro. Bei “besseren” Vereinen sind 25.000 Euro und noch mehr an der Tagesordnung. Man will ja unter Seinesgleichen bleiben, da darf der Beitrag schon etwas üppiger ausfallen.
Der Witz ist, dass man, wenn man das Fee bei seinem Heimatverein bezahlt hat, i. d. R. überall auf den schönsten Golfplätzen der Welt spielen darf (egal, wieviel man bezahlt hat). Das kann dann dazu führen, dass ein deutscher Chefarzt neben einem neuseeländischen Busfahrer in Hawai oder England auf dem renommierten Green steht.

Wünsche viel Vergnügen beim nächsten Abschlag - und meine Empfehlung auch an die Frau Gemahlin. Wir sehen uns dann nach dem letzten Birdie im 19. Loch (Vereinskneipe).