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20.7.2007 von sabine.scholl.
19.7.07, Donnerstag.
“Hat der alte Hexenmeister …
Die ich rief die Geister
werd’ ich nun nicht los!”
Soweit das (abgekürzte) Goethe-Zitat. wie Holger es am Montag kürzer formulierte: Der Knoten platzt! (Und wie der geplatzt ist …)
Wir hatten ja mit deutscher Gründlichkeit die Bewerbungsoffensive verstärkt und dank massiver Resonanz auch schon den Überblick verloren. Zum heutigen Bewerbungsgespräch komme ich trotzdem pünktlich. Es macht richtig Spass, denn es handelt sich heute um ein IT-Trainingsunternehmen, also vertrautes Terrain. (@Juergen + Stefan: wie im Com-Center!!!). Meine Show muss gut gewesen sein, zum Abschied sagt Dave wörtlich: “You’re too good to pass up.” Er war auch gut vorbereitet gewesen, hatte sich mein Transcript von Microsoft gezogen und hätte mich am liebsten dabehalten.
Leute, nach all den Hängepartien, Vielleichts und Überqualifizierts hat das so richtig, richtig GUTGETAN!!
Erfreut reiten wir heimwärts, sammeln unser Kind bei der Schule ein und fahren zum Feldlazarett (Nagelbettentzündung). Dumm gelaufen, Doc ist MIA oder AWOL. (Für die Zivilisten: Missing in Action bzw. Absent without Leave). Morgen ist er bestimmt wieder da, falls es dringend wird, sollen wir ins Krankenhaus. Jenny will nicht ins Krankenhaus, also ziehen wir unverrichteter Dinge wieder ab (soooo schlimm ist es auch wirklich nicht).
Die ganze Zeit über klingelt natürlich das Handy, neue Termine für Montag, die Recruiterin (die mich zum Trainigsunternehmen geschickt hat) teilt mir mit, dass das Gespräch mit Dave ein überwältigender Erfolg war und meint, ich wuerde nächste Woche wieder von der Firma hören. Eine andere Recruiterin ruft für Stephan an. Er hatte einen Jobvorschlag - IT Engineer bei einer Versicherung - abgelehnt, weil er die Hälfte von den Anforderungen nicht erfüllt und vom Großteil der anderen Hälfte noch nie was gehört hat. Die Dame hat aber trotzdem irgendwie mit der Firma verhandelt, denn jetzt heisst es: wir können ihm ja beibringen, was er nicht kann. !?!?!
Ein guter Tag.
20.7.07, Freitag. Eigentlich wollten wir uns eine Pause gönnen, die letzten Tage waren ja richtig stressig gewesen und Montag geht es ja mit geballter Ladung weiter. Kaum ist Jenny in der Schule geht es los. Dave - von der Trainingsfirma - ruft an und will wissen, ob ich einverstanden bin, wenn er noch ein paar Dollar drauflegt? Und er möchte gleich den Reference Check machen und wann ich anfangen kann und ob ich am Mittwoch ein kurzes Probetraining machen kann? Na klar!!!
Reference Check ist im angloamerikanischen Geschäftsleben üblich, das heisst: es werden Personen befragt, mit denen man in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat. Dieser Check wird erst dann gemacht, wenn feststeht, dass man den Kandidaten auch sicher einstellen will. Ich bin völlig von den Socken - und natürlich mit allem einverstanden. Klar ist auch, dass ich bei diesem Job kein Managergehalt bekomme. Wie in Deutschland auch, verdient ein angestellter Trainer nicht viel, aber es ist ein Job und reicht zum Einwandern. Verloben und weitersuchen.
Als ob Wellington gerochen hätte, dass ich einen Job so gut wie in der Tasche habe, geht es jetzt erst richtig los, das Telefon läuft heiss. Am Montag habe ich jetzt statt einem ZWEI Vorstellungsgespräche und ein weiterer Recruiter meldet sich, dass ich in der nächsten Runde für einen anderen Job bin. Als er hört, dass ich ein Angebot habe, wird er ganz hektisch und meint, er wird seinem Kunden auf den Hals steigen, dass das Vorstellungsgespräch kurzfristig stattfindet ….
Der nächste Recruiter kreischt nach meinem Portfolio, da hatte ich mich vor zwei Wochen als (gut bezahlter) Programmierer beworben - und jetzt ist es plötzlich ultradringend. Für Stephan klingelt auch noch zweimal das Telefon, Termine folgen nächste Woche.
Vorsichtshalber nehmen wir das Handy mit zum Doc - tatsächlich: Freitag Nachmittag um 17.00Uhr ruft der x. Recruiter an und will noch Termine haben. Nachdem Jenny verarztet ist gehen wir noch einkaufen, wir haben Wetten abgeschlossen, ob und wann der Nächste anruft …
Die Lage hat sich scheinbar beruhigt, wir schleppen unsere Beute nach Hause und kümmern uns ums Essen (die Eingeborenen sind schon unruhig). Jetzt rufen unsere neuseeländischen Bekannten an und wollen alle wissen, was Sache ist. So langsam hängen unsere Ohren schlaff herunter …
Euer Daumendrücken hat gewaltige Folgen, ich bin beeindruckt!!!! Eine Weile müsst ihr noch durchhalten, bis alles schriftlich und in trockenen Tüchern ist - auch mit Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis - dann wird ein Seufzer der Erleichterung um die halbe Welt gehen
Besondere Grüsse heute an Wally: zweifacher Vater, RESPEKT! an Holger: dreifacher Schein-Inhaber, ENDLICH! und an Matthias: fußkrank daheim, GET WELL SOON!
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